EU verhängt Rekordstrafe gegen AliExpress wegen DSA‑Verstößen
Die Entscheidung der Europäischen Kommission setzt einen neuen Maßstab für DSA‑Sanktionen. AliExpress muss eine Geldbuße von 550 Millionen Euro tragen. Der Marktplatz habe Risiken durch illegale, unsichere und gefälschte Produkte falsch bewertet und nicht ausreichend begrenzt. Die Strafe ist die bislang höchste unter dem Digital Services Act.
Unzureichende Systeme und fehlerhafte Einschätzungen
Im Verfahren zeigte sich, dass interne Prozesse von AliExpress zentrale Schwächen aufweisen. Die Kommission kritisierte mehrere Bereiche, die für die Kontrolle von Angeboten entscheidend sind.
- Risikobewertung — Das Unternehmen nutzte nur einen einzelnen Kennwert. Dadurch entstand kein vollständiges Bild über illegale Angebote.
- Automatisierte Erkennung — Die Systeme wurden überschätzt und nicht ausreichend überprüft.
- Personalressourcen — Die Kommission bemängelte fehlende Kapazitäten für die Moderation.
- Markenautorisierung — Das System war leicht zu umgehen und unterbesetzt.
- Empfehlungsmechanismen — Diese erhöhten die Sichtbarkeit illegaler Produkte.
Diese Punkte zeigen, dass die Plattform zentrale Kontrollmechanismen nicht wirksam eingesetzt hat.
Zusammensetzung der Geldbuße
Die Strafe besteht aus zwei Teilen. 110 Millionen Euro entfallen auf die mangelhafte Risikobewertung. 440 Millionen Euro betreffen die unzureichenden Gegenmaßnahmen. Das Verfahren begann im März 2024. Einige Vorwürfe konnte AliExpress im Juni 2025 durch Zusagen reduzieren. Die Kommission verwies zudem auf die junge Rechtsgrundlage des DSA, die als mildernder Faktor berücksichtigt wurde.
AliExpress muss bis zum 20. Oktober 2026 einen Aktionsplan vorlegen. Die Umsetzung soll innerhalb von zwölf Monaten erfolgen. Bei Verstößen drohen weitere Zwangsgelder. Henna Virkkunen bezeichnete die Lage als gefährlich für Verbraucher:innen und unfair gegenüber regelkonformen Unternehmen.
Vergleich mit früheren DSA‑Maßnahmen
Die Höhe der Geldbuße zeigt eine neue Stufe der DSA‑Durchsetzung. Frühere Entscheidungen lagen deutlich darunter: X erhielt im Dezember 2025 120 Millionen Euro, Temu im Mai 2026 200 Millionen Euro. Die Sanktion gegen AliExpress übertrifft beide Fälle klar und markiert den bislang größten Eingriff der Kommission.
