Versandhandel

Amazon verschärft die Kontrolle über Bearbeitungszeiten

Amazon führt neue Vorgaben ein, die Seller stärker an die tatsächliche Versandgeschwindigkeit binden. Die Plattform will verhindern, dass Händler längere Bearbeitungszeiten hinterlegen, obwohl Bestellungen schneller abgewickelt werden. Die Anpassung betrifft zunächst den US‑Markt und basiert auf den offiziellen Angaben von Amazon.

Warum Amazon eingreift

Amazon meldet, dass 87 Prozent der Verkäufer in den USA Bestellungen innerhalb eines Tages bearbeiten. Trotzdem werden häufig längere Zeiten auf SKU‑Ebene eingetragen. Das führt zu ungenauen Lieferzusagen. Laut Amazon kann eine um einen Tag kürzere Lieferzeit im Durchschnitt zu fünf Prozent mehr Umsatz führen. Deshalb sollen die Angaben künftig präziser sein.

Neue Regeln ab dem 29. Juni 2026

Ab diesem Datum müssen die hinterlegten Bearbeitungszeiten mit der realen Versanddauer übereinstimmen. Amazon überwacht jede SKU über einen Zeitraum von 30 Tagen. Wird ein Artikel dauerhaft schneller verschickt als angegeben, markiert Amazon die SKU und fordert eine Anpassung. Erfolgt keine Korrektur, übernimmt Amazon die Verwaltung der Bearbeitungszeit für 180 Tage und aktiviert einen LSR‑Schutz.

Optionen zur Festlegung der Bearbeitungszeit

Händler können zwischen zwei Methoden wählen:

  • Automated Handling Time oder AHT, die die Bearbeitungszeit automatisch aus der Versandhistorie ableitet
  • Manuelle SKU‑Bearbeitungszeit, bei der jede SKU einzeln gepflegt wird

Wer die manuelle Variante nutzt, muss sicherstellen, dass die Angaben dauerhaft mit der tatsächlichen Versandgeschwindigkeit übereinstimmen.

Was passiert bei Abweichungen

Wenn ein Produkt mindestens einen Tag schneller versendet wird als hinterlegt, beginnt ein 30‑Tage‑Zeitraum zur Korrektur. Erfolgt keine Anpassung, übernimmt Amazon die Kontrolle über die betroffene SKU. Die Verwaltung bleibt für 180 Tage aktiv. Während dieser Zeit gilt ein Schutz für die Late Shipment Rate.

Die neuen Regeln gelten zunächst nur in den USA. Ob und wann sie in weiteren Ländern eingeführt werden, ist nicht bekannt. Amazon hat jedoch in der Vergangenheit ähnliche Anpassungen international ausgerollt.