DHL‑Studie 2026: Wo E‑Commerce‑Strategien nicht zu den Käufergewohnheiten passen
Der „2026 E‑Commerce Trends Report“ von DHL ECommerce zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Erwartungen der Käufer und den Investitionsschwerpunkten der Unternehmen. Der Report basiert auf einer internationalen Befragung von 29.000 Onlinekäufern und 5.800 E‑Commerce‑Unternehmen in 29 Ländern. Die Ergebnisse machen sichtbar, wie stark sich Prioritäten im Markt verschieben. Lieferung, Retouren und Bezahlung bleiben für viele der entscheidende Faktor beim Kaufabschluss. Gleichzeitig setzen Händler häufig Schwerpunkte, die nicht mit dem tatsächlichen Verhalten der Käufer übereinstimmen.
Apps dominieren, Social Commerce bleibt zurück
Mobile Anwendungen spielen eine größere Rolle als Social Commerce. 72 % der Käufer nutzen Apps bevorzugt oder sehen sie als wichtigsten Zugang zum Onlinehandel. Dem stehen 38 % der Unternehmen gegenüber, die eine eigene Shopping‑App anbieten. Social Commerce ist zwar etabliert, erreicht aber nicht die gleiche Relevanz. 63 % der Händler verkaufen über soziale Netzwerke, während 45 % der Käufer dort einkaufen.
Internationaler Handel gewinnt an Bedeutung
Der grenzüberschreitende Handel wächst weiter. 70 % der Verbraucher kaufen inzwischen im Ausland ein – ein Plus von 10 % im Vergleich zum Vorjahr. 45 % bestellen mindestens einmal im Monat international. 29 % der Unternehmen, die bisher nicht grenzüberschreitend verkaufen, planen innerhalb der nächsten zwölf Monate den Einstieg.
Versand entscheidet über Kaufabbrüche
Lieferangebote beeinflussen den Kaufabschluss stärker als viele Händler annehmen. 67 % der Käufer haben schon abgebrochen, weil die Lieferung nicht ihren Erwartungen entsprach. 52 % der Unternehmen nennen denselben Grund als Ursache für Kaufabbrüche. Kostenlose Lieferung bleibt der stärkste Anreiz.
Käufer nutzen im Durchschnitt vier Zahlungsmethoden. Unternehmen bieten im Schnitt sieben an. Karten und digitale Wallets gehören zu den am häufigsten verwendeten Verfahren. „Buy Now, Pay Later“ gewinnt an Bedeutung. Kryptowährungen und biometrische Verfahren werden dagegen weiterhin zurückhaltend bewertet.
Marktplätze prägen das Einkaufsverhalten
Marktplätze bleiben der wichtigste Vertriebskanal. Amazon liegt bei Käufern und Unternehmen vorn. Plattformen wie Temu und Shein gehören in vielen Märkten zu den meistgenutzten Angeboten. Mehr als die Hälfte der Verbraucher verkauft selbst Waren über Marktplätze, was die wachsende Bedeutung von C2C‑ und Secondhand‑Modellen zeigt.
38 % der Käufer und 36 % der Unternehmen nutzen KI‑gestützte Chats oder virtuelle Assistenten. 23 % verwenden sprachgesteuerte oder automatisierte Einkaufsprozesse. 41 % lehnen sprachgesteuerte Produktsuchen ab. Automatische Nachbestellungen und Systeme zur Vorhersage künftiger Bedürfnisse stoßen ebenfalls auf Zurückhaltung. Fehlinterpretationen und mangelndes Vertrauen gelten als größte Hürden.
Wo Strategien und Verhalten auseinandergehen
Die größten Abweichungen zeigen sich bei Apps, Social Commerce, internationalem Handel, KI‑Funktionen sowie bei Liefer‑ und Retourenangeboten. Hier wird besonders deutlich, dass viele Händler ihre Prioritäten anders setzen als es das tatsächliche Verhalten der Käufer nahelegt.
