KiK ordnet sein Filialnetz neu: Europaweit fallen zahlreiche Standorte weg
Der Textildiscounter KiK stellt seine Präsenz in Europa neu auf. Bis Ende 2026 soll die Zahl der Filialen um rund 225 sinken. Damit reagiert das Unternehmen auf Entwicklungen im Handel und auf die eigene Expansionsstrategie der vergangenen Jahre. Auch in Deutschland stehen viele Standorte vor dem Aus, insgesamt 135.
Hintergrund der Entscheidung
KiK hatte lange auf Wachstum gesetzt und Filialen in kurzer Distanz zueinander eröffnet. Diese Nähe brachte jedoch nicht den erwarteten Kundenzuwachs. Die Geschäftsführung spricht von einer zu dichten Expansion, die nun korrigiert wird. Das Ziel ist ein profitableres Filialnetz. Nach dem Rückbau sollen europaweit etwa 4.000 Geschäfte bestehen bleiben, in Deutschland rund 2.200.
Im Jahr 2024 erzielte KiK einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist in 14 europäischen Ländern vertreten und zählt zu den größten stationären Textildiscountern im deutschsprachigen Raum.
Auswirkungen auf Beschäftigte und Filialstruktur
Welche Filialen schließen, ist noch nicht vollständig bekannt. Viele Mitarbeitende wurden bisher nicht informiert. KiK plant jedoch, Beschäftigte aus betroffenen Standorten in andere Filialen zu übernehmen oder alternative Lösungen zu finden. Kündigungen sind nicht vorgesehen. Insgesamt arbeiten rund 32.000 Menschen für KiK, davon 19.000 in Deutschland.
Die Bereinigung des Filialnetzes könnte auch nach 2026 weitergehen. Schon in den vergangenen Jahren wurden jährlich etwa 100 Standorte geschlossen, allerdings übertraf die Zahl der Neueröffnungen diese Entwicklung bisher.
Marktumfeld und Konsumverhalten
KiK hält an seinem Grundkonzept fest: günstige Textilien als Kernsortiment, ergänzt durch Haushaltswaren und Dekoartikel. Rund 60 Prozent des Angebots entfallen auf Kleidung. Trotz stabiler Nachfrage im Discountsegment spürt das Unternehmen die Kaufzurückhaltung vieler Menschen. Preisbewusstsein und Wechselbereitschaft nehmen zu.
Der Wettbewerbsdruck steigt. Neben klassischen Händlern wie Woolworth, NKD und Action gewinnen Onlineplattformen wie Shein und Temu an Bedeutung. Diese Dynamik verändert das Konsumverhalten und erhöht den Druck auf stationäre Anbieter.
Entwicklung im stationären Einzelhandel
Die Situation bei KiK steht stellvertretend für eine größere Bewegung im Handel. Die Zahl der Geschäfte in Deutschland sinkt seit Jahren. Laut Prognosen könnte sie in diesem Jahr unter 300.000 fallen. 2015 waren es noch rund 372.000. Gleichzeitig steigt die Zahl der Insolvenzen. 2025 wurden 2.571 Fälle registriert – der höchste Wert seit einem Jahrzehnt.
Gründe für die Neuausrichtung
- hohe Filialdichte und geringe Distanz zwischen Standorten
- verändertes Konsumverhalten und Kaufzurückhaltung
- wachsender Wettbewerb durch Discounter und Onlineanbieter
- strategischer Fokus auf profitablere Filialen
Die Umstrukturierung zeigt, wie stark sich der Einzelhandel verändert und wie Unternehmen ihre Strategien anpassen müssen.

