SHEIN: Verbraucher tragen die Haftung für gefährliche Produkte
Eine aktuelle Untersuchung des Bremer Umweltinstituts im Auftrag von Greenpeace zeigt erneut deutliche Verstöße bei SHEIN‑Produkten. Im Januar 2026 wurden 31 Kleidungsstücke analysiert. 25 davon überschritten die REACH‑Grenzwerte, teilweise in extremem Umfang. Viele dieser Artikel entsprachen Modellen, die bereits Monate zuvor wegen hoher Schadstoffbelastung kritisiert worden waren.
Wiederauftauchen bereits kritisierter Produkte
Die Untersuchung ergab, dass SHEIN zwar einzelne Produktnummern entfernte, jedoch nahezu identische Artikel weiterhin im Sortiment blieben. Farbvarianten oder Angebote derselben Händler tauchten erneut auf. Dazu gehörten unter anderem eine Outdoor‑Jacke und mehrere Sandalenmodelle mit nicht konformem Fußbett. Einige Messwerte lagen beim 3115‑Fachen der zulässigen EU‑Grenzen. Der Verkauf solcher Produkte ist in der EU verboten.
Belastete Kleidung mit erheblichen Gesundheitsrisiken
In den Artikeln – darunter auch Kinderkleidung – wurden Phthalate und PFAS nachgewiesen. Diese Stoffe stehen im Zusammenhang mit schweren gesundheitlichen Belastungen wie Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen, Entwicklungsproblemen und Schwächung des Immunsystems. Die Schadstoffe gelangen über Hautkontakt, Fasern in Innenräumen oder beim Waschen in Umwelt und Nahrungskette.
Rechtliche Lücke: Käuferinnen und Käufer gelten als Importierende
Besonders relevant ist ein Punkt, der vielen nicht bewusst ist: Durch das Direct‑to‑Consumer‑Modell liefert SHEIN direkt aus China an Endkunden in der EU. Damit gelten Käuferinnen und Käufer rechtlich als Importierende – und tragen die Verantwortung für die Einhaltung der REACH‑Vorgaben.
Diese Konstruktion führt dazu, dass:
- die Haftung für nicht konforme Produkte bei den Verbrauchern liegt
- SHEIN selbst weitgehend aus der Verantwortung bleibt
- trotz EU‑Verbot belastete Ware in Umlauf kommt
Obwohl die Plattform laut Digital Services Act verpflichtet wäre, illegale Produkte zu entfernen, bleiben diese Artikel verfügbar.
Greenpeace fordert klare gesetzliche Vorgaben
Greenpeace sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Organisation fordert, dass das EU‑Chemikalienrecht ohne Ausnahmen für alle Produkte gilt, die in der EU erhältlich sind. Wiederholte Verstöße müssten sanktioniert werden. Plattformen, die systematisch gegen Vorgaben verstoßen, sollten vom Markt ausgeschlossen werden. Zusätzlich wird ein Anti‑Fast‑Fashion‑Gesetz gefordert, das Überproduktion begrenzt, Werbung einschränkt und Hersteller stärker in die Pflicht nimmt.
Die Untersuchung zeigt, dass SHEIN weiterhin Produkte mit gefährlichen Chemikalien verkauft – trotz vorheriger Hinweise. Besonders kritisch ist die rechtliche Situation: Verbraucherinnen und Verbraucher tragen die Verantwortung für die Einhaltung der EU‑Vorgaben, obwohl sie keinen Einfluss auf Produktion oder Kontrolle haben. Damit bleibt ein erhebliches Risiko bestehen, während die Plattform von einer rechtlichen Lücke profitiert.

