Shopware

Shopware veröffentlicht neue AGB – und sorgt für Aufruhr

Mit neuen AGB hat Shopware für ziemlichen Wirbel gesorgt.

Am letzten Freitag per E-Mail angekündigt, kamen die AGB dann am Montagmorgen in die Accounts. Alle Shopware Nutzenden, die sich ins Shopware Kundenkonto einloggen möchten, werden seitdem mit diesen AGB konfrontiert und müssen ihnen zustimmen, um ihren Account weiter nutzen zu können.

Worum geht es?

Shopware hat eine „Fair Use Policy“ eingeführt. Händler, die über einem bestimmten Umsatz liegen, sollen sich finanziell an der Weiterentwicklung beteiligen. Wer über dem Umsatz liegt, aber sich nicht beteiligt, dem wird das Kundenkonto gesperrt und dadurch auch der Zugang zu den Plugins und dem Supportticket System. Ebensolches ist geplant für Händler, die darunter liegen, aber ihren Umsatz nicht melden wollen.

Diese Punkte sorgen dabei für Aufruhr in der Community:

  • Shopware möchte im Juni von allen Händlern die Umsätze wissen, um daraus einen GMV zu errechnen. Man muss den eigenen Umsatz an Shopware verraten, um das Kundenkonto und den Shopware Store weiter nutzen zu können.
  • Hierzu hat Showare ungefragt ein GMV Plugin in allen Community Edition Shops installiert (aber nicht aktiviert, Stand 28.3.2025), das die Daten an Shopware melden soll.
  • Wer einen GMV über 1 Mio. Euro in den letzten 12 Monaten erreicht, muss einen Plan buchen, um das Kundenkonto und den Shopware Store weiter nutzen zu können.
  • Die genauen Zahlen sind unklar und intransparent. Werden auf der Shopware Startseite 600 Euro genannt, gibt es eine E-Mail, in der es sich um 300 Euro dreht, und außerdem Gesprächsangebote nach dem Motto „wir werden uns schon einigen können“.
  • In den GMV fließen (Wissensstand 28.3.25) auch Verkäufe von Plattformen ein, die auf dem Weg zur Wawi nur durch das Shopware System „durchrauschen“ und auf den Plattformen bereits von deren Anbietern „besteuert“ wurden. Ebenso POS Verkäufe, die von Shopware eingelesen werden und natürlich auch manuell angelegte Verkäufe.
  • Nicht nur die Händler, die den AGB nicht zustimmen, kommen nicht mehr in ihre Accounts, sondern auch deren Agenturen.
  • Aktuell (27.3.25) gibt es sogar den Bug, dass eine Agentur nicht einmal mehr „zurückgehen“ kann, also zu einem anderen Kunden oder sich selbst, sobald sie einen Händler aufgerufen hat, der seinen AGB noch nicht zugestimmt hat.

Von Shopware finde ich persönlich bisher keine offizielle Stellungnahme zu den Fragen, Ängsten und Sorgen der Community. Es gibt ehrenamtliche Moderatoren im Forum, die betonen, nicht im Namen Shopwares zu sprechen, und ein YouTube Video eines Shopware Developers, der betont privat dort zu sein und nicht im Namen Shopwares zu sprechen.

Was hätte Shopware anders machen können?

  • Vorher mit der Community ins Gespräch gehen und unabhängig von irgendwelchen „Wut-Postings“ und Ablehnungen einfach mal Ideen und Vorschläge sammeln.
  • Und damit meine ich „wir kommunizieren“ und nicht „wir reden“.
  • Einen Kommunikationsprofi einstellen oder beauftragen. Solche Kommunikation ist weder eine Aufgabe für Entwickler noch für Moderatoren (und übrigens auch nicht die Aufgabe der Geschäftsführung, meiner Meinung nach).
  • Die E-Mail nicht an einem Freitag versenden. Das war für viele Händler ein aufregendes Wochenende.
  • Nach der E-Mail erneut mit der Community ins Gespräch gehen, und aufrichtig zuhören, Sorgen und Bedenken annehmen und intern bearbeiten.
  • Im datenschutzsensiblen Deutschland: ein GMV Plugin zum Download und als Option anbieten, statt es zwangsweise in allen Community Shops auftauchen zu lassen.
  • Verkäufe von Plattformen nicht mit einberechnen.
  • Preise transparent kommunizieren, statt mit „wir reden mit euch darüber“.
  • Eine offen kommunizierte non-profit Regelung.
  • Niedrigere Preise für alle, die den GMV knacken, aber keinen Support haben möchten. Immerhin würde es auch Aufwand bei Shopware erzeugen, wenn nun alle, die einen Plan buchen, sich regelmäßig beim Support melden würden 🙂
  • Und zum Schluss: gestern habe ich die neuen AGB meiner Bank akzeptiert. Die Änderungen kamen als Tabelle. Spalte 1: Geänderter Paragraph. Spalte 2: Alter Text. Spalte 3: Neuer Text und hier ist die geänderte Sache gelb markiert. Spalte 4: Erläuterung, warum das geändert wurde.  Und darunter dann noch einmal die gesamten AGB, für alle die es komplett lesen wollen.  So sieht für mich Transparenz bei Änderungen der AGB aus.

Die Idee, Konzerne ins Gebet zu nehmen, damit diese sich finanziell beteiligen, mag gut und richtig sein. Man denke mal an all die Code-Schnipsel in Smartphone-Systemen, die von Entwicklern privat und kostenlos weiterentwickelt werden. Große Teile des Internets basieren auf solchen privaten Arbeiten, viel mehr als so mancher glauben möchte (und als uns allen lieb ist!).

Die Art, wie hier mit den Usern umgegangen oder besser: nicht umgegangen wird, ist jedoch höflich gesagt stark verbesserungswürdig.